Alcùdia - Palma de Mallorca

Die Fähre stoppte. Passagiere standen von ihren Plätzen auf und drängten sich zu den Ausgängen. Beim Öffnen der Türen strömte bereits warme, drückende Luft in den Innenbereich. "Es könnte ein heißer Tag auf dem Fahrrad werden", dachte ich. Wir gingen auf das Außendeck, um dort die Treppe hinunter zu unseren Fahrrädern zu steigen. Die sich im Bauch der Fähre befindlichen Autos waren bereits mit ihren Fahrern besetzt, welche, mit voll Ungeduld geplagten Gesichtsausdrücken, darauf warteten, ihren Weg die Rampe hinunter fahren zu können. 

Es stank nach Abgasen in geballter Ladung. Mein Magen windete sich zu einem Knoten. "Ich muss hier raus." Es war nicht nur der Geruch der Abgase, viel mehr war es die Tatsache den letzten Tag zu starten. Die letzten knapp 70km bis Palma. "Ich möchte nicht aufhören zu fahren." läutete es in meinen Gedanken. Wieder nicht. Wie im letzten Jahr. Komisch. Warum ist das so? Es waren 7 Wochen und doch nicht genug.

Beim Verlassen der Fähre stellten wir fest, dass es nicht so heiß war wie wir erwartet hatten. Zum Glück. Der Tag verlief angenehm. Gesegnet mit einem Rückenwind flogen wir nahezu über die Insel.  Und immer wieder fragte ich mich: "Was wäre, wenn ich einfach weiterfahre?" Doch ich schien in diesem Moment gefangen zu sein. Gefangen auf einer Insel. Gefangen in meinen Gedanken. 

Nach 3.5 Stunden erreichten wir Palma. Ein uns bekannter Ort. Unzählige Mal waren wir bereits dort. Ich wollte nur eines: Auf zum Hotel, duschen, Essen. Meine Stimmung sank. 

 

Nachdem wir unser Hotelzimmer bezogen hatten, verlief unser Abend ruhig. Duschen, ein Bier auf dem Balkon mit Meerblick genießen und ein Abendessen gefolgt von einem Drink in der Hotelbar. 

 

Es war 22:00 Uhr und ich lag wach im Bett. Bei geöffneter Balkontüre hörten wir das Meer rauschen; das Brechen der Wellen am Strand. Sonst war es ruhig. Zwei Stunden später schlief ich ein.

 

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Barcelona - Alcùdia

Der Wecker klingelte heute um fünf Minuten vor sechs in der Früh. Von unserem Warmshower Host haben wir uns bereits am Abend verabschiedet. 

Der von mir erwartete Hangover blieb glücklicherweise aus. Nichts desto trotz habe ich mich am Morgen an zwei doppelten Kaffee erfreut, bevor wir Marsels Wohnung dreißig Minuten später verlassen haben. 


Nach dem wir gestern Barcelona erreicht haben und Marsel uns in Empfang nahm, haben wir am Abend gemeinsam mit zwei weiteren Radfahrern und Marsel den Abend auf seiner Terasse verbracht, Geschichten gelauscht, Geschichten erzählt, Bier getrunken und zum guten Schluss bei einem späten Abendessen in einem kleinen Restaurant auf der anderen Straßenseite den Abend mit Rotwein ausklingen lassen. 

Das ist das tolle an Warmshowers. Man trifft Menschen mit der gleichen Passion, herzliche Menschen, Menschen die einem ein großes Vertrauen entgegen bringen. Bedenkenlos. Uneigennützig. Man ist verschieden und doch so gleich. Man fühlt den anderen, denn man hat bereits gleiche Situationen durchgemacht. Und trotzdem lernt man voneinander. Man lässt sich inspirieren und inspiriert. 


Meine Gefühle am Morgen waren sehr gemischt. Beeindruckt von der Ruhe und Gelassenheit, welche über Barcelona am frühen Morgen ausgebreitet war, so unschuldig und frisch, lag nun doch ein Hauch Melancholie in der Luft. Der letzte Tag. Sollte es tatsächlich der letzte Tag sein? Beim Anblick der Fähre machte sich ein ungutes Gefühl breit. Der Gedanke den letzten Tag zu starten, auf eine Insel zu fahren und zu wissen, dass man dort nicht wegkommt, "gefangen ist", zu wissen, dass morgen ein Empfang für uns stattfindet. All das schnürte meine Kehle zu. Wie soll es dann weitergehen? Wir werden die Mein Schiff 6 in Palma erreichen und dann? "Tief einatmen, Nira" sagte ich mir. Der Tag hat gerade erst angefangen und uns trennen noch knappe 70km von Alcùdia zu Palma. Auch wenn es der letzte Tag ist, ist es noch nicht das Ende. Heute ist heute. Im hier und jetzt leben. Momente bewusst auf sich wirken lassen. Denke nicht über die Zukunft nach. Be in the present moment!


Die Fähre läutet das Typhon...die Schiffssirene signalisiert, dass wir gleich da sind. 5 Stunden Fahrt sind nun vorbei...wir müssen los...die letzten km bis Palma...


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Das Ende war erst der Anfang

Vor einem Jahr und einem Tag habe ich meine Fahrradtour quer durch die USA beendet. Den Morgen vor den letzten km habe ich mir folgenden Worten begonnen:


"Heute ist der letzte Tag eines großen Abenteuers, mein Abenteuer in einem Land, das einfach riesig ist. Nachdem wir vor zwei Tagen die Westküste gesehen haben (was für ein unglaubliches Gefühl!), werden wir die letzte Fahrt nach San Francisco in Angriff nehmen. Ich habe einen Reisepartner für die letzten Tage. Ich kann diesen Moment mit jemandem teilen. Das ist großartig!

Ich kann nicht glauben, dass ich es getan habe ... Den ganzen Weg mit dem Fahrrad durch die Vereinigten Staaten. Es fühlt sich unwirklich an.

So viele Leute auf meinem Weg, die mich unterstützten, so viele großartige Menschen, die ich traf, unglaubliche Gastfreundschaft und Momente, die ich nie vergessen werde.

Und das Schlimmste: Ich möchte nicht aufhören und ich möchte nicht realisieren, dass das Abenteuer zu Ende geht ... vorerst ... vielleicht sollte es nur der erste Teil eines noch größeren Abenteuers sein!"


Ein Jahr später sitze ich nun in Barcelona im Appartment eines Warmshower Host - Marsel.  

Die letzten 7 Wochen war ich wieder unterwegs. Wieder auf dem Fahrrad, bepackt mit allem notwendigen für den Alltag; für den Tag und für die Nacht. Es war vielleicht kein größeres Abenteuer als im letzten Jahr, aber ein Abenteuer der anderen Art. Diesmal war ich nicht alleine. Diesmal waren wir 'WIR', ein Team bestehend aus zwei Menschen die sich lieben. Auch wenn sie sich unterwegs das ein oder andere Mal gefühlt nicht geliebt, sondern gehasst haben. Ein Abenteuer der anderen Art, eine Herausforderung 24/7 von zwei Menschen die sich sehr ähnlich und doch so unterschiedlich sind. Wir leben noch und wir lieben uns noch! Es war eine Zerreißprobe. 

Unser Weg führte uns von Hamburg nach Barcelona. Morgen früh nehmen wir die Fähre nach Mallorca/ Alcùdia, um unsere letze Fahrt anzutreten; nach Palma. Übermorgen werden wir um 7.30 Uhr die Mein Schiff 6 erreichen. Todd übernimmt das Steuer und ich, ich werde erst einmal Urlaub an Bord machen. Wir werden dann rund 3500 km gefahren sein.

Bin ich so emotional wie im letzten Jahr? Ein ganz klares nein. Liegt es daran, dass ich diesmal nicht alleine gekämpft habe? Diesmal jemanden an meiner Seite hatte? Die Herausforderung geringer war? Die Berge kleiner? Die Distanzen zwischen den Zivilisationen kleiner? Ich weiß es nicht. Ich weiß nur eines: 

In meinen Gedanken radel ich weiter...immer weiter und weiter...und auch diesmal kann ich sagen: Das Abenteuer geht weiter. Wo und wann? Das finde ich heraus...und lasse es euch wissen! 

Aber erst einmal wird der letzte Tag gestartet.

Neueste Updates

Für das neueste Update wo ich mich gerade befinde, schaut doch mal unter Die Route-Etappen nach! 


Da ich meist den ganzen Tag unterwegs bin schaffe ich es tatsächlich nicht so viel zu schreiben wie ich gerne möchte. Dazu lommt, dass diese App der Homepage eine sehr starke Internet Verbindung benötigt, welche meist leider nicht gegeben idt. Aber mein Notizbuch füllt sich immerhin, so dass nichts in Vergessenheit gerät und später  digitalisiert werden kann. 

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Tag 1

Tag 1 ist um! Ich habe es auf 110km gebracht, von Charleston nach Bowman. 

Die Beine sind müde, obwohl es alles nur flach war. Gepäck: zuviel! Ich überlege bereits, was ich aussortieren kann. 

Die Suche nach einem Platz wo ixh mein Zelt aufschlagen kann war mühsam, aber lohnenswert. Der erste Anlauf war eine Tankstelle, erfolglos für den Schlafplatz, aber der nette Kassierer war rege interessiert an dem was ich mache. Nachdem ich die Polizeistation ausfindig machte, um mich dort nach einer Möglichkeit zu erkunden, wo ich denn wohl mein Zelt platzieren könnte, musste ich feststellen, dass diese Sonntags geschlossen hat...Die nächste Chance ließ nicht lange auf sich warten: Ein altes Ehepaar kam gerade nach Hause, zu ihrem Haus mit Garten. Ich habe mich vorgestellt, erzählt was ich mache (auch bei ihnen schien das Interesse groß) und gefragt, ob ich mein Zelt in ihren Garten stellen könne, am nächsten morgen wäre ich auch früh wieder weg. Sie war jedoch besorgt, dass mein Zelt wegfliegen könne (bei Windstill mit mir drinnen...) und lehnte ab. Ok, in beiden darauf folgenden Supermärkten könnte man mir auch nicht weiterhelfen. Auf meine Frage, ob jemand in der Kirche ist, würde mir gesagt, dass dort gerade eine Veranstaltung ist. Ich also in dir Kirche rein wo gerade ein Film geschaut wurde und einen alten Herrn gefragt, wo denn eine zuständige Person zu finden ist. Er ist mit mir vor die Türe gegangen, um sich nach meinem Anliegen zu erkunden. Auf meine Erklärung, dass ich einen Platz für mein Zelt suche, hat er mich sofort zu sich und seiner Frau eingeladen. Er sagte, er müsse sie erst noch fragen, denke jedoch,  dass es in Ordnung sei. So war es auch!  Wahnsinn! Ich wurde eingeladen den Film zu ende zu schauen. So saß ich nun in einer Kirche, stinkend, dreckig, verschwitzt, müde und habe einen Film geschaut.  Als der Film zu Ende war (nach ca.20 min.) hat sich die ganze Gemeinde in einen Kreis gestellt, an die Hände genommen und gebetet. Es wurde auch für mich gebetet. Wer mich kennt, der weiß dass ich nicht viel mit der Kirche zu tun habe. Diese Erfahrung jedoch hat gezeigt, dass man, egal wer man ist und egal wo man herkommt, von so einer Gemeinde aufgenommen wird. Ergreifend!


Auch hier zeigten viele der Menschen Interesse an meiner Reise, wünschten mir viel Glück und eine sichere Fahrt. 


Bei dem alten Ehepaar angekommen (leider kann ich mich nicht mehr an deren Namen erinnern), habe ich mein Fahrrad in der Garage geparkt, durfte duschen und bekam eine warme Mahlzeit. Wow! Mit soviel Gastfreundschaft habe ich nicht gerechnet! Ich bekam mein eigenes Schlafzimmer mit einem urgemütlichen Bett und habe grandios geschlafen! 

Am nächsten Morgen ging es für mich um 08:00 weiter. Mir wurden noch ein Spiegelei zum Frühstück angeboten, dies aber habe ich abgelehnt, da ich mich auf den Weg machen wollte.

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Eine Frau, ein Fahrrad, ein Abenteuer - unterwegs im Land der unbegrenzten Möglichkeiten

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